Wetzlar 24.03 – Rechtsrock, braune Vernetzung und Widerstand

Wetzlar: 2500 Antifaschist*innen haben heute demonstriert und den Nazis keinen Raum gelassen

Das geplante Rechtsrock-Konzert in der Stadthalle hat aufgrund des konsequenten Verhaltens der Stadt Wetzlar nicht stattgefunden. Wir sagen: Respekt für diese klare Haltung.

In Wetzlar wurden etwa 100 Rechtsrock-Fans gesichtet – deutlich weniger als erwartet. Hiervon waren viele in polizeilichen Kontrollen – sehr gut also, dass die Polizei Mittelhessen die Menschen in Wetzlar heute so gut vor den Neonazis beschützt hat.

Die restlichen Neonazis haben dann in Leun-Stockhausen in dem total heruntergekommenen und kleinen Bistro Hollywood gefeiert – Eine von drei Locations in Hessen, die die NPD noch nutzen kann. Das werden sicher total imposante Musikvideo-Aufnahmen 😉

Die Antifaschist*innen wurden in Wetzlar freundlich empfangen. Geschäftsleute haben Kaffee und Kuchen verschenkt, Anwohner*innen freundlich zugewunken und natürlich waren auch verdammt viele Leute aus Wetzlar mit auf der Straße. Mit der Demo, dem Festival, den Redebeiträgen und Flyern wurde ein starkes und deutliches Zeichen gesetzt: Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda

Hoffen wir, dass die Polizei in Leun bei den Hitlergrüßen konsequent einschreitet und auch dieses Konzert auflöst.

Danke an alle die dort waren, vor allem an die DGB Jugend Mittelhessen sowie das Wetzlarer Bündnis.

Wir sind übrigens ziemlich begeistert: Wir haben alle 800 Broschüren zur Situation im Lahn-Dill-Kreis verteilt.

Ein gelungenes Fest der Demokratie in Wetzlar.

Eure Antifa-BI e.V.


In Wetzlar findet am 24.03 das wohl größte Rechtsrock-Konzert in Hessen der letzten Jahre statt. Das Konzept wirkt wie aus Themar (Thüringen) kopiert. Hier feierten im letzten Jahr tausende und die Neonazis fielen mit „Sieg Heil“-Rufen sowie Hitlergrüßen auf.
Eine rechtsextreme Partei – in diesem Fall die NPD – meldet die Veranstaltung an. Diese ist nun durch das Parteien,-bzw.  Versammlungsrecht besonders geschützt.Die Partei profitiert wohl davon, dass sie das Konzert als Plattform für Werbung, Reden und Rekrutierung verwenden kann. Bei solchen Konzerten kann über Eintrittsgelder, Getränkeverkauf sowie Verkaufsständen mit enormen Gewinnen gerechnet werden.

Mit den Rechtsrockbands Kategorie C, Oidoxie, Faust, Flak etc. ist hier bei der Anzahl der unterstützenden Gruppen, rechter Versandhäuser und Parteien mit 500 bis über 1000 Besuchern zu rechnen. Wenn es nicht gelingt das Konzert zu verhindern ist im Nachgang mit einer sehr gefährlichen und verstärkten Vernetzung sowie einem deutlich offensiveren Auftreten der Neonazi-Szene in der Region zu rechnen.

Aus diesem Grund widmen wir dieser Veranstaltung unsere besondere Aufmerksamkeit:


Teil 1: Hintergründe zur Entwicklung der rechten Szene in der Region sowie zu Rechtsrockkonzerten

Hier die ausführliche Analyse zur Einschätzung der rechten Szene im Lahn-Dill-Kreis anlässlich einer NPD-Großveranstaltung am 24.03

Wetzlar Eskalation

Hier die ausführliche Analyse zur Einschätzung der rechten Szene im Lahn-Dill-Kreis anlässlich einer NPD-Großveranstaltung am 24.03 als PDF: Wetzlar Eskalation

Was für Rechtsrock-Bands spielen in Wetzlar?

Kategorie C:

Kategorie C

Kategorie C – Bindeglied zwischen Neonazis und Hooligans

Oidoxie:

Oidoxie

Oidoxie – Rechte NRW-Bands und ihre Nähe zum Terror

Oidoxie- Nebenklage NSU-Prozess

Flak:

Flak

Flak – „Musik ist eine Waffe“

Flak – Warum ein deutscher Rechtsrock-Sänger trotz Einreiseverbots in der Schweiz auftreten konnte

Faust:

Faust – Infos weiter unten im Text

Faust – Böhse Onkelz für Arme

Redner in Wetzlar:

Sven Skoda

Düsseldorfer Neonazi in U-Haft

Michael Brück

Michael Brück (Rechtsextremist)

Borussia Dortmund schmeißt Neonazi-Kader Michael Brück aus dem Verein

Ein Vorfall in Dortmund zeigt: Nicht nur Teile Ostdeutschlands haben ein massives Neonazi-Problem

Ariane Meise

HoGeSa-Neuauflage in Köln

Was ist bei Rechtsrockkonzerten zu erwarten? Die Reportage „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ bietet tiefe Einblicke in die organisierte Neonazi-Musikszene:

„Der Sänger grölt Gewaltparolen, die Arme gehen hoch zum Hitlergruß: Der Journalist Thomas Kuban ermöglicht Einblicke in eine Jugendszene, in die sich kaum ein Außenstehender wagt.

Nach neun Jahren hat Thomas Kuban fünfzig Undercover-Drehs hinter sich, auch jenseits deutscher Grenzen. Ein Lied begegnet ihm immer wieder: „Blut muss fließen knüppelhageldick, wir scheissen auf die Freiheit dieser Judenrepublik…“. Hochbrisant und einzigartig ist das Material, das er unter extremem persönlichem Risiko mit versteckter Kamera zusammengetragen hat. Es dokumentiert hautnah, wie junge Leute mit Rechtsrock geködert und radikalisiert werden.

Gemeinsam mit dem Filmemacher Peter Ohlendorf reist er noch einmal zurück an Orte, an denen er undercover gedreht hat. Im Fokus steht dabei die Frage, die er auch auf der politischen Ebene zu klären versucht: Wie ist es möglich, dass auf der rechtsextremen Partymeile über alle Grenzen hinweg gefeiert werden kann?“ Infos zum Film hier: 

Und hier der Trailer zur Doku:

Am 23.03.2018 um 13 Uhr findet im Kino Gelnhausen, Herzbachweg 1-3, 63571 Gelnhausen eine Vorführung der Doku „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ statt. Im Anschluß gibt es ein Filmgespräch mit aktuellen Hintergrundinfos über die Rechtsrockszene. Hier geht es zur Facebook-Veranstaltung: Nach § 6 VersG: „Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.“

Themar: Hier fanden im letzten Jahr mehrere große Rechtsrock-Konzerte mit bis zu 6000 Besuchern statt, die als Vorlage für das Konzert in Wetzlar gesehen werden können. Wir, die Antifaschistische Bildungsinitiative e.V., haben eines der Konzerte in Themar dokumentiert und  sind auf Verbindungen nach Hessen gestoßen.

Hitlergrüße beim Konzert

Neue Rechte Welle – Nazi Rock | Jäger & Sammler

Inspirierend: Wegen brütender Vögel Rechtsrock-Konzert in Themar verboten

Fazit: Rechtsrockkonzert in Wetzlar – Eine Veranstaltung, die in einer Demokratie nichts zu suchen hat

Wie die jüngere Vergangenheit gezeigt hat ist Rechtsrock nicht nur oft der Einstieg in die organisierte Neonazi-Szene, sondern kann auch die Begleitmusik zu Mord und Totschlag sein. Die Dokumentation „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ zeigt deutlich, dass bei Rechtsrockkonzerten von Straftaten auszugehen ist. Akteure des am 24.03.2018 geplanten Rechtsrockkonzertes in Wetzlar waren auch in Themar dabei. Hier wurden massive Straftaten durch Konzert-Besucher begangen. Ähnliches ist dann auch in Wetzlar zu erwarten. Auch im Zuge der Aufarbeitung der Mordserie des NSU waren die Rechtsrockszene und vor allem „Blood and Honour“ sowie „Combat 18“ verbindende Elemente im Verfahren. Es ist bekannt, dass diese braunen Terrorverbindungen in Deutschland trotz Verbot weiterhin aktiv sind. Die veranstaltende NPD wurde vom Bundesverfassungsgericht zwar nicht verboten, jedoch wurde höchstrichterlich festgestellt: „Allerdings wolle die NPD die freiheitlich-demokratische Grundordnung „planvoll“ abschaffen und bekämpfen.

Auch das völkisch-nationalistische und antisemitische Abstammungsprinzip der Partei verstoße gegen das Grundgesetz, zugleich habe die NPD eine Wesensverwandtschaft mit der NSDAP und dem historischen Nationalsozialismus.“*1

Die neonazistische Dynamik und die rechtsextremen Veranstaltungen im Lahn-Dill-Kreis sowie die Übergriffe und Anschläge im Kreis zeigen die Gefährlichkeit der dortigen Szene. Dies belegen auch die im kurzen Zeitraum vor dem Konzert stattgefundenen Aktionen sowie Übergriffe der lokalen Szene.

Die zuständigen Behörden sowie die Abgeordneten des hessischen Landtages sowie des Bundestages sind nun in der Verantwortung. Eine solche einschlägige Vernetzungsveranstaltung kann in einer Demokratie nicht zugelassen werden. Es ist zu hoffen, dass die zuständigen Stellen die entsprechenden Schritte einleiten und eine weitere Gefährdung von Menschen durch Neonazis in Hessen konsequent unterbinden. Dies ist nicht nur eine Haltungsfrage, sondern auch eine Frage der Glaubwürdigkeit und des Gewissens.

www.antifa-bi.de

*1 https://www.heise.de/tp/features/NPD-Verfassungsfeindlich-aber-zu-ungefaehrlich-fuer-die-Demokratie-3598203.html?seite=all

Update: Bedrohungen

Droh,- und Hass-Brief wegen Protestaufruf gegen Rechtsrock-Konzert in Wetzlar

Wir haben zum wiederholten Male Hass-Post erhalten. Auf mehreren Seiten lässt sich der Verfasser über uns aus, bringt Zitate aus der NS-Zeit und spricht in Bezug auf uns von ausrotten, in Haft stecken etc…

Dem Schreiben liegt ein kommentierter Aufruf für die Gegenproteste in Wetzlar bei, die neben uns inzwischen von weit über 100 Aufrufenden unterstützt werden.

Wir bitten alle: Kommt morgen um 12:30 zum Bahnhof nach Wetzlar und unterstützt den demokratischen Gegenprotest.

Anbei einige Auszüge aus dem Schreiben, die noch übleren Seiten veröffentlichen wir nicht.

Eure Antifaschistische Bildungsinitiative e.V.

www.antifa-bi.de

#WZ2403 #Wetzlar

 


Teil 2: Gegenproteste und Aktionen – Übersicht bei Wetzlar erinnert hier

1.) 12.00 Bahnhof Wetzlar: Um 12:30 Uhr wird es übrigens auch einen Demozug geben, der vom Bahnhof aus startet und gegen 15:00 Uhr an der Konrad-Adenauer-Promenade ankommen wird, um sich dort dem Festival anzuschließen.

Facebook-Veranstaltung: Festival der Demokratie

2.) Festival der Demokratie – 15 Uhr Konrad-Adenauer-Promenade 35578 Wetzlar –

Der Aufruf: Auf dem Bundesparteitag 2017 der NPD in Saarbrücken wurde Wetzlar als ein Leuchtturmprojekt im Westen bezeichnet. Um diesen Anspruch geltend zu machen, wird am 24. März 2018 eine Veranstaltung der Neonazis in der hiesigen Stadthalle stattfinden. Um bundesweit alle verbleibenden Kräfte nach Wetzlar mobilisiert zu können, werden auch völkische Liedermacher und Rechtsrockbands angekündigt.

Insgesamt gesehen ist die NPD auf dem absteigenden Ast, ihr Potential wird von der AfD vereinnahmt. Umso mehr versucht sie sich an Orten wie Wetzlar und Büdingen zu verankern, wo sie in den Stadtverordnetenversammlungen sitzt und damit auf öffentliche Gelder zugreifen kann. Wir müssen also davon ausgehen, dass noch bis zur nächsten Kommunalwahl 2021 mit wiederkehrenden Aktionen der NPD zu rechnen ist.

Viele zivilgesellschaftliche Gruppierungen und Organisationen haben sich daher dazu entschieden, dem „braunen Fest“ ein Festival der Demokratie entgegenzusetzen. Mit Musikbeiträgen, Reden, Poetry Slam und weiteren kulturellen Beiträgen.

Wir rufen alle Menschen in Wetzlar und Umgebung dazu auf, mit uns gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Für Demokratie, für Menschenrechte, gegen extrem rechte Hetze und die damit verbundenen Ungleichwertigkeitsvorstellungen.

Ladet Eure Freundinnen und Freunde sowie Eure Nachbarn ein. Kommt auf die Straße, denn sie gehört uns – nicht den Hetzerinnen und Hetzern, die unser Land und unsere Gesellschaft zerstören wollen.

[Anmelder der Veranstaltung ist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) – Region Mittelhessen]“

Update: Einige hoffen, dass das Konzert verboten werden könnte. Wir glauben nicht daran und weisen darauf hin, dass dann trotzdem viele Neonazis in Wetzlar sind und auch die NPD-Veranstaltung  – dann nur ohne Bands – stattfinden würde. Also am 24.03 alle auf nach Wetzlar.

Wir können nur dringend dazu raten, organisiert und in Gruppen an,- und abzureisen. Es ist unbekannt ob die Polizei in der Lage ist, Neonazis bei der An,- und Abreise unter Kontrolle zu halten. Und bei dem zu erwartendem Klientel ist eine hohe Gewaltbereitschaft Grundlage der menschenverachtenden Einstellung.


Teil 3: Pressespiegel und Link-Sammlung

 

Hessenschau.de 24.03.: Trotz Anordnung aus Karlsruhe: Wetzlar verweigert NPD die Stadthalle

Frankfurter Rundschau 24.03:  Angereiste Neonazis verlassen Wetzlar

Mittelhessen.de 24.03: Stadt Wetzlar stellt klar: Die Stadthalle bleibt zu!

Polizeipresse Mittelhessen 24.03:

Legal Tribune Online 22.03: Stadt soll zu Über­las­sung von Halle an NPD gezwungen werden

Hessenschau 22.03: Gericht erlaubt Auftritt von Rechtsrock-Bands in Wetzlar

Hessenschau 22.03: Videos aus dem Landtag – Festival der Demokratie statt Nazi-Konzert

Gießener Anzeiger 22.03: Landtag unterstützt Wetzlar im Kampf gegen NPD-Veranstaltung

Frankfurter Rundschau 21.03: Wetzlar verbietet Rechtsrock-Konzert

Gießener Allgemeine 21.03: Stadt Wetzlar geht gegen Auftritte von Rechtsrock-Bands vor

Hessenschau 20.03: „Festival der Demokratie“ Bündnis demonstriert gegen NPD

Frankfurter Rundschau 19.03: Demo gegen Rechtsrock-Konzert

Hessenschau 16.03: NPD lädt bundesweit zu VeranstaltungWie sich Wetzlar auf ein Treffen von Neonazis vorbereitet 

Wetzlarer Neue Zeitung 15.03: Anwohner bekommen Hinweise

Frankfurter Rundschau 13.03: NPD muss Sicherheitskonzept liefern – Die hessische NPD will am 24. März ein Rechtsrock-Konzert in Wetzlar veranstalten.

Wetzlarer Neue Zeitung 11.03: Mit Musik und Kunst gegen rechts – Kreativität und Argumente gegen NPD-Veranstaltung am 24. März

Blick nach Rechts 09.03: Mit Rechtsrock in den Wahlkampf

Frankfurter Rundschau 08.03: Neonazis trommeln in Wetzlar – Der NPD-Wahlkampfauftakt in zwei Wochen soll zum Treffen völkisch-rassistischer Kräfte werden.

Frankfurter Rundschau 26.02: NPD darf in Wetzlar tagen – Die Stadt Wetzlar muss nach einem Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs ihre Stadthalle der rechtsextremen NPD zur Verfügung stellen. Das Urteil ist nicht anfechtbar.