Friedberg: Hunderte demonstrieren gegen Faschismus

#Friedberg: Mehr als 200 Menschen demonstrieren gegen Faschismus. Etwa 100 Leute bei einer bundesweit mobilisierten AfD Demo. Selbst die Rechten aus Sachsen konnten hier nicht helfen. Die AfD sah trotz massiver Werbung mal wieder alt aus.

AfD-Demo in Friedberg: Die Inszenierung der Protestes durch die extreme Rechte

Heute sind 100 Leute dem Aufruf der AfD gefolgt um in Friedberg für den Diesel zu demonstrieren. Von Sprüchen wie „Der Diesel gehört zu Deutschland“ bis hin zu Aussagen, wie „Diesel ist Super“ die auch  an der Tankstelle für eine deutliche Verwirrung sorgen könnten, wurde hier einiges inhaltlich unterboten. Natürlich befassten sich die Redner der AfD auch mit ihrer üblichen „Kritik“. Seitens der extremen Rechten waren deutlich abwertende Aussagen in Bezug auf den gesellschaftlich breiten und personell über doppelt so starken demokratischen Gegenprotest zu hören.

Die AfD hatte die letzten Wochen intensiv über ihre verschieden Seiten (AfD Wetterau, Frankfurt, Hessen) und auch bundesweit verstreut für ihre Demo geworben. Zusätzlich wurden sehr viele Werbeanzeigen, z.B. in Zeitungen, für die Demo geschaltet. Die Technik, darunter sogar ein Lautsprecherwagen und ein Bühnenwagen wurden aus dem fernen Sachsen angekarrt. Hier ist die AfD eine starke politische Kraft geworden und auch ansonsten ist Sachsen leider als Hochburg der extremen Rechten zu sehen. Von rassistischen Angriffen bis zu sehr stark besuchten „Pegida-Demos“ kommt das Bundesland nicht aus den Negativschlagzeilen heraus.

Der Ablauf der AfD-Demo war straff durchorganisiert: Plakate sollten nicht selbst mitgebracht werden, sondern wurden seitens der Partei gestellt. Die Parolen waren wie der Ablauf der Demo vorgegeben. Die Inszenierung des „Protestes“ wirkte wie ein nordkoreanischer Propaganda-Aufmarsch. Die Teilnehmenden wirkten nicht wie Demonstranten sondern wie Statisten. Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Teilnehmenden durch die intensiven Werbekosten sowie den logistischen Aufwand teuer erkauft waren.

Die Statisten der AfD-Demo sind bis auf wenige Ausnahmen in der Region nicht bekannt gewesen. Der Altersdurchschnitt durfte weit über 50 gelegen haben und auch Frauen waren deutlich unterrepräsentiert. Es dominierten die grauen Resthaare der älteren Männer.

Die Gegenkundgebung: Jünger, pluralistischer und antifaschistisch

Der Aufruf zum Gegenprotest hat sich inhaltlich bestätigt:

„Der Rassismus der AfD spaltet die Gesellschaft. Die Partei schüchtert ein und bricht mit gesellschaftlichen Tabus. Holger Arppe will Linke und Gewerkschafter an die Wand stellen. Alexander Gauland bezeichnet den deutschen Faschismus als Vogelschiss in der Geschichte und Björn Höcke hält die AfD für das letzte friedliche Angebot an diese Republik.
All das zeigt: Die AfD will das Parlament nicht einfach nur ein bisschen durcheinanderwirbeln. Sie steht für ein gänzlich anderes politisches System und sie hat erschreckend wenig Berührungsängste vor Faschismus und Holocaust. Eine solche Partei hat im Parlament nichts zu suchen. Wer den politischen Diskurs so sehr verachtet wie die AfD, hat kein Recht darauf, Teil dieses Diskurses zu sein. Eine Partei, die einen faschistischen Flügel in ihren Reihen duldet, hat breiten Widerstand verdient.“

Weit über 200 Menschen sind dem Aufruf zum demokratischen Gegenprotest gefolgt. Es wurde von einem gesellschaftlich breiten Bündnis generationsübergreifend demonstriert. Der Gegenprotest war deutlich jünger, pluralistischer, multikultureller sowie weiblicher als die Spektren-mäßig ziemlich geschlossene Demo der AfD. Dies zeigt, dass wir in einer stabilen und starken Demokratie leben und diese auch leben und verteidigen können. Uns ist jedoch bewusst, dass eine rassistische und in Teilen faschistische Bewegung bis zu 30 Prozent der Wahlberechtigten erreichen kann. Da die extreme Rechte schon seit Jahren in Bürgerkriegsphantasien schwelgt war es wichtig, dass unser Protest friedlich und kreativ ist. Dies ist gelungen. Inhaltlich wurde in den Redebeiträgen auf die Gefahren durch Rassismus und Faschismus hingewiesen und auch thematisch klargestellt, dass Diesel kein braunes Thema sein muss. Die populistisch geschürte und inszenierte Panik vor Fahrverboten betrifft faktisch gesehen nur sehr wenige Straßenzüge in Deutschland. Im Wetteraukreis ist nicht davon auszugehen, dass die Fahrer*innen von Diesel-Fahrzeugen diese bald abgeben müssen bzw. nicht mehr nutzen können.

Die Antifa-BI e.V. hat alleine an diesem Tag eintausend Sticker und Veranstaltungsflyer in Friedberg verteilt und eine Rede auf der Kundgebung gehalten. Beim Verteilen der Flyer gab es sehr positive Rückmeldungen von den Bewohner*innen Friedbergs. Viele Geschäftsleute haben die Flyer in ihren Läden ausgelegt. Die Demonstration der extremen Rechten konnte also durch die Gegendemonstrant*innen zu einer Werbung für Demokratie und Antifaschismus genutzt werden. Wir freuen uns über die neuen Mitglieder und Aktiven.

Aktuell feiern in Friedberg mehrere hunderte Menschen bei einem internationalen Nachbarschaftsfest sowie bei dem Elvis-Festival. Die Cafés sind gut gefüllt und auf dem Elvis-Presley-Platz spielen wieder Kinder. Die Stadt hat den rechten Umzug gewohnt pariert und kehrt nun wieder zum weltoffenen Alltag zurück, während die Logistik der AfD wohl auf dem Rückweg nach Sachsen ist.

 

Der vom DGB angemeldete Gegenprotest wurde u.a. unterstützt von:

DGB Jugend Südosthessen
DGB Südosthessen
Internationales Zentrum Friedberg
PirDer E. V. Friedberg
Bündnis „WIR“
DIE LINKE Wetterau
Linksjugend ’solid-Wetterau
Evangelisches Dekanat Wetterau
Antifaschistische Bildungsinitiative e.V.
Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V.
Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz
Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt
Jusos Wetterau
Wetterauer Grüne