1. Mai – Neonazis nicht in FFM, dafür jedoch in Hanau

Update: Bericht von Nazi-Gegner_innen aus Hanau siehe unten:

In Frankfurt haben heute über zehntausend Menschen gegen Neonazis demonstriert. Etwa 10.000 Menschen auf dem Römerberg und mehrere tausend auf den erfolgreichen Kundgebungen um den Frankfurter Ost-Bahnhof. Nach Friedberg 2009 konnte nun das 2. Mal ein Naziaufmarsch in Hessen verhindert werden. Auch in Hanau hat sich spontan ein starker Protest formiert und die NPD musste die Stadt unter starkem Protest verlassen.

Den Menschen, die sich den Nazis aktiv in den Weg gestellt und gegen sie demonstriert haben, ist zu danken. Sie haben mit Mut zum Engagement klar gezeigt, dass Nazis nicht erwünscht sind.

Nicht die Menschen, die gegen Nazis demonstrieren sind die Feinde der Demokratie: Sie sind die Verteidiger demokratischer Standards gegen menschenverachtende Einstellungen. Um so bedenklicher ist es, dass die Gegenproteste von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet wurden, die Nazis jedoch unbegleitet durch Hanau laufen durften. Wir kritisieren diesen Versuch der politischen Kriminalisierung von Antifaschist_innen.

Wir haben mit Infoveranstaltungen zum Film „Blut muss fließen“ u.a. in Marburg und Frankfurt unseren Teil zur Mobilisierung beigetragen* und sind froh, dass sehr viele Mitglieder von uns heute in Frankfurt und Hanau waren.

Ein Danke an alle Demonstrant_innen für dieses deutliche antifaschistische Signal.

Bericht von Nazi-Gegner_innen aus Hanau:

Ab kurz nach 12 wurde ein Polizeihubschrauber über Hanau gesehen. Ab kurz nach 1 machte die Meldung einer NPD-Demo in Hanau die Runde:

„Die lokale Polizei und die Antifaschist_innen trifft diese Nachricht unvorbereitet. Zu diesem Zeitpunkt hatte niemand mehr mit verirrten Neonazis, die es nicht zur Demonstration in Frankfurt geschafft haben, gerechnet.

Die unangemeldete Demonstration der Rechten war ohne Polizeibegleitung vom Hauptbahnhof zum Marktplatz gelangt. Eine Person, die die Demo in der Nähe das Bahnhofes gesehen hatte, berichtet:“ Die Rechten sind da einfach gelaufen, vollkommen ohne Polizei!“ Erste aufmerksame Mitbürger_innen begannen den Mob zu verfolgen.

Eine Person berichtet: „Ich war gerade noch bei der Bank und wollte dann zur Gewerkschaftsveranstaltung fahren, als die Nazis an mir vorbeiliefen. Ich habe sofort geparkt und bin ihnen gefolgt.“

Auch andere verfolgen die unangemeldete Demo zunächst in kleiner Zahl, mussten dann aber um ihr leibliches Wohl fürchten, als Neonazis mit den Maßen von Footballspielern sich den Nazi-Gegner_innen mit  „Kommt nur!“-Rufen zuwendeten, sich nach Augenzeugenbericht Quarzsandhandschuhe überstreiften und auf sie zuliefen.

Schließlich stoßen auch die ersten Polizisten, nach eigener Aussage von der Situation überrascht, dazu.

Nach und nach wächst die Zahl der Antirassisten, aber auch die der Polizisten an. An der Ehrensäule, in der Nähe des Hauptbahnhofs, können die Rechten schließlich von mittlerweile schätzungsweise 800 Gegendemonstranten_innen und mindestens 200 schwer gepanzerten Polizist_innen festgesetzt werden.

Nach ca 45 Minuten wird die unangemeldete Versammlung der Rechten von der Polizei aufgelöst.

Die ca. 150 Rechten werden außer „Rufweite“ von den Gegendemonstrant_innen getrennt und langsam zum Hauptbahnhof eskortiert. Trotz Auflösung ihrer Veranstaltung dürfen sie mit hocherhobenen Fahnen zum Bahnhof marschieren.

Am Bahnhofsvorplatz kommt es zu ersten Schubsern seitens der Polizei, als die Antifaschist_innen versuchen möglichst nah an den Bahnhofseingang zu kommen.

Nachdem sich die Polizisten vor dem Eingang postiert hatten, verkündete die Polizei, dass die Rechten jetzt in einen Zug mit Ziel Aschaffenburg gesetzt werden.

Etwa 15 Minuten später, als der Zug abgefahren war, macht die Information die Runde, dass Udo Pasteurs und acht andere sich noch auf dem Gleis befände und nicht mit den „Kameraden“ den Zug bestiegen hätte.

Kurz danach kommendie Rechten von Polizisten eskortiert aus dem Bahnhof heraus. Die verbleibenden 300 Gegendemonstrant_innen folgten der Polizeieskorte über den Bahnhofsparkplatz und wurden dann umgehend von der Polizei eingekesselt.

Von einem Communicator wurde uns derweil erklärt Pasteurs habe sich auf sein Recht als Landtagsabgeordneter berufen und gebeten mit seinem persönlichen Auto nach Aschaffenburg fahren zu dürfen. Die weiteren Personen seinen „zu seinem Schutz, er weiß ja wie gefährlich eine solche Situation für ihn sein kann“. Man werde ihn jetzt mit Zivilwagen begleiten um „weiteres Aufsehen zu vermeiden“. Das es dabei nicht um „Aufsehen“ seitens der Rechten ging, die ja gerade erst nicht-angemeldet demonstrierte hatten, ist wohl klar.

Bevor die Rechten ihr Auto erreichten, ging angeblich noch eine Seitenscheibe zu Bruch und die Frontscheibe bekam einen Sprung.

Nach weiteren zehn Minuten, in denen der grüne Kleinbus mit laufendem Motor sinnloserweise herumsteht, fahren die letzten Rechten endlich ab. Kurz danach wird um 14:43 der Kessel aufgelöst und die Polizei verschwindet zurück zu ihren min. 44 Einsatzbussen und dem großen Mannschaftsreisebus.

Bisher kann sich niemand erklären, aus welchem Grund die Personalien der Rechten nicht aufgenommen wurden, nachdem sie ohne jegliche Anmeldung demonstriert hatten.

Später stellt sich heraus, dass auch die Ankündigung, die Nazis würden nach Aschaffenburg fahren, falsch war. Die Rechten stiegen in Kahl aus und fuhren mit ihren Bussen davon.

Ein großer Dank gilt den zahlreichen engagierten AntifaschistInnen und GewerkschaftsaktivistInnen, die schnell reagiert und informiert haben und sich den Rechten schnellstmöglich in den Weg gestellt haben, und dabei sicher auch das ein oder andere Bier im Olof-Palme-Haus stehen lassen mussten. Gemeinsam wurde gut reagiert und den Rechten gezeigt, dass für Nazis kein Platz in Hanau ist!“(Zitat Ende)

 

 

Presse:

Hessischer Rundfunk

Frankfurter Rundschau

* https://www.frankfurt.de/sixcms//detail.php?id=547286&_ffmpar[_id_inhalt]=14654799

 

Unser Aufruf:

“Wir wollen rechtsextremen Ideologien in unserer Gesellschaft keinen

Raum geben. Wir rufen alle demokratisch,antirassistisch,

antifaschistisch und antisexistisch eingestellten Menschen

zum friedlichen und entschlossenen Protest gegen die NPD-Demo am 01.Mai

2013 in Frankfurt auf.Wir rufen zur Teilnahem an den verschiedenen

Gegenprotesten auf und werden am 01.Mai in Frankfurt sein.“